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Erfahrungsaustausch zum LSI High School-Programm

Nuria über ihr LSI High School-Jahr in den USA

Nuria verbrachte das Schuljahr 2005/06 in Minnesota, USA (nuriamix@gmx.net)

Wenn ich jetzt in Tagebüchern von vor einem Jahr lese, kommt mir der gesamte Austausch wie ein Traum vor. Tatsächlich befindet man sich in einem völlig anderen Leben, auch bei alltäglichen Kleinigkeiten musste man auf etwas neues gefasst sein. Ich habe einige Tage gebraucht, bis ich mich nicht mehr ständig fragen musste, ob es denn Wirklichkeit ist. Bald wurde gerade dieses Gefühl eines unrealistischen Abenteuers, in dessen Mitte man sich zehn Monate befand, gewöhnlich. Bis zum letzen Moment sah und erfuhr ich täglich ein neues Detail des anderen Landes.
Morgens wartete ich mit meinem Gastbruder am Ende der berühmten langen Einfahrt auf jenen gelben Schulbus, der in jeder typisch amerikanischen High School Serie auftaucht. So erlebte ich viele unglaubliche Sonnenaufgänge, um mich herum nichts als Natur und endlose Weite. Die Tatsache, dass man in dem 500 Einwohner Dorf, in dem ich gelandet war, seine Nachbarn erst nach 15 minütigen Fussmarsch erreichen konnte, (eine dort nur sehr selten angewendete Bewegungsart) gab mir das Gefühl von Isolation. Und so spielte sich mein Leben in der Schule der dazugehörigen Kleinstadt ab, in der ich mich von morgens 8 bis Abends 6 oder länger aufhielt. So schien es übrigens auch denen zugehen, die den Luxus hatten, einen Gartenzaun zum Nachbargrundstück ziehen zu können. Abgesehen von einem Kino und einer Bowlingbahn war die Schule der einzige Ort der Kultur und Unterhaltung. Hier fanden Theatervorstellungen, Sportereignisse und Elternabende statt. Während in vielen Schulen in Deutschland die Schüler nach Unterrichtende fluchtartig die Gebäude verlassen, um ihren eigenen Freizeitplänen nachzugehen, waren die amerikanischen Schüler von einem Schoolspirit besessen, der auch mich mitriss.
Meine Gastfamilie selber bekam ich nur an den Wochenenden zusehen. Zu sehr beanspruchte es mich den Nachmittagsaktivitäten beizuwohnen. Nicht jeder Amerikaner hat die Schule so geliebt wie ich, aber „Schule“ an sich hatte eine andere Bedeutung.  Bei einem Basketballspiel des Jungen Teams der Schule waren z. B. alle Sitzplätze gefüllt von elterlichen/ jugendlichen Fans und ein Chorkonzert wurde prinzipiell dreimal aufgeführt da der Andrang so gross war. Diese Offenheit und das Interesse für einander vermisse ich hier in Deutschland auf vielen Gebieten, auch wenn mir klar ist, dass es in einer Grossstadt wie Hamburg kaum möglich ist. Die Freundlichkeit der Menschen war sehr hoch, die Lehrer waren die besten Freunde der Schüler, die mit Problemen aller Art jederzeit zu ihnen gehen konnten. Sie entsprachen in meinen Augen dem Bild eines Mannschaftskapitäns. Allerdings wurden viel Dinge eher oberflächlich behandelt, sowohl im Unterrichtsbereich wie auch bei persönlichen Beziehungen.
Feiertage und Ausflüge waren eher Familiensache. In manchen Dingen sogar sehr viel ausgeprägter als es hier in Deutschland üblich ist. Zwar wurde am Weihnachten von Papptellern gegessen und statt eines Spazierganges oder Kaffeetrinkens zusammen Football geschaut, aber man kann ein Land nicht seiner Traditionen wegen kritisieren. Meiner Gastfamilie verdanke ich ausserdem zahlreiche Ausflüge und Unternehmungen wie ice-fishing, snowboarding und camping.
Damit war ein Jahr gefüllt, und nach dem grössten Schulereignis des Jahres, der Prom, blickte ich nur noch staunend auf alles zurück, was ich erlebt hatte. Für mich war es wie gesagt ein sehr langes Abenteuer, welches mich auch jetzt noch beschäftig. Auf alle Fälle war es bisher das unglaublichste Jahr meines Lebens und ich rate jedem, sich so etwas nicht entgehen zulassen.

 

 


 

Weitere Informationen zum High School-Programm:
Ian Cryer High School-Programm
Ian Cryer - LSI High School Programm

Ian Cryer

ic@lsi.edu

Tel +41 44 251 58 25

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