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Erfahrungsaustausch zum LSI High School-Programm

Maren über ihr LSI High School-Jahr in den USA

Maren verbrachte das Schuljahr 2005/06 in Idaho, USA (gegen-alle@gmx.de)

Da ich mich spät für das High School Amerika – Programm 2005-2006 beworben hatte, erfuhr ich auch erst nach einiger Zeit etwas von meiner Gastfamilie und dem Staat, in den ich kommen sollte, was die ganze Sache aber spannend hielt. Ich war jedoch sehr überrascht als mir dann mitgeteilt wurde, dass meine Gast„familie“ in Idaho lediglich aus einem älteren, kinderlosen Ehepaar bestand, die Frau 61, der Mann 66, die aber immerhin einen Hund und eine Katze hatten. Prima, dachte ich mir, und war dann schon gespannt als es am 10. August 2005 von Düsseldorf endlich losging. In den 3 Wochen nach der Bekanntgabe der Familie und vor meiner Abreise hatten meine Gastfamilie und ich einige E-Mails hin- und hergeschickt, fast täglich, und sogar einmal telefoniert. Nach einer langen Reise mit dreimal Umsteigen landete ich mitten in der Nacht mit einer anderen Austauschschülerin, die ich in Salt Lake City getroffen hatte, auf einem kleinen Flughafen mit nur einer einzigen Halle, wo schon ihre und meine Gastfamilie sowie unser gemeinsamer örtlicher Betreuer auf uns warteten. Mein 2. Koffer war auf dem letzten Flug auch noch verschütt gegangen, sodass er einen Tag später nachgeliefert werden musste.
Ich hatte keinerlei Zeit für einen Jetleg in dem wunderbar amerikanischen Haus einer sehr kleinen Stadt ( 656 Einwohner), welches mein Gastvater selbst designed hatte, denn schon  am nächsten Tag ging es für ein verlängertes Wochenende in ein Kirchencamp in Cascade, Idaho, in dem ich die ersten Leute kennen lernte, und auch die amerikanische christliche Kirche, was mir sehr gefiel.
Bevor meine Schule dann anfing, unternahmen meine Gasteltern, die supernett waren, einige Tagestrips mit mir und wir hatten jede Menge Spass.


Am 22.08. war dann mein erster Schultag auf der Hagerman High School mit  etwa 120 Schülern von der 9.-12. Klasse. Ein krasser Unterschied zu meiner 1000-Leute – Schule in Deutschland (wobei dort ja auch ein paar mehr Klassenstufen vertreten sind). Die Anzahl der Schüler in meiner deutschen Klassenstufe überschritt jedoch die Anzahl der Schüler auf der ganzen Schule in Amerika. Nichtsdestotrotz war es eine neue, moderne Schule mit ganzen 9 Klassenräumen und jeder Menge netter Leute, die mich herzlich aufnahmen. Ich hatte nur 2 Pflichtkurse von meinem Schulleiter vorgegeben bekommen – Englisch der 11. Klasse und Government (Politik) der 12. Klasse- und suchte mir noch World History ( Weltgeschichte), Spanisch, Kunst, Band, Trigonometrie, und Englisch als Fremdsprache ( eher ne Art Freistunde für mich) aus. Wir hatten A- und B-Days, d. h. an einem Tag die ersten 4 Stunden, am folgenden Tag die anderen 4 á 90 Minuten. Am Anfang war es auch noch interessant, ob irgendwer etwas an meiner Frisur – Dreadlocks- auszusetzen hatte, da die Organisation und einige Bekannte mich auf eventuelle Schwierigkeiten vorbereitet hatten, doch in den gesamten 6 Monaten dort hörte ich nicht ein schlechtes Wort darüber, alle fanden’s superklasse und einige Male war es auch Gesprächsstoff von mir wildfremder Leuten im Supermarkt, die mich einfach darauf ansprachen.
Noch in der ersten Woche habe ich dann angefangen nach dem Unterricht zum Volleyballtraining zu gehen (Ich war richtig schlecht, doch das war egal) und lernte so direkt noch ein paar Mädchen mehr kennen. Später, nach der Volleyballsaison spielte ich dann Basketball, wo ich praktisch auch bei Null anfing, aber ziemlich improvisiert habe im Laufe der 4 Monate, was mir sogar mein Schulleiter noch an meinem letzten Tag sagte. Ich spielte bei JV, klar, aber meine Schule, wo insgesamt nur 12 Mädchen Sport machten für beide Teams, Varsity und Junior Varsity, war richtig gut, wir gewannen den Conference Cup und Varsity ging sogar zu State (in Volleyball und Basketball) um gegen die besten High Schools aus ganz Idaho zu spielen. Und das mit nur einem Senior, zwei Juniors und dem Rest Sophomores und Freshmen (ein sehr junges Team). Es war aber auch ein hartes Training, das wir alle jeden Tag 2-3 Stunden hatten (JV hatte mit Varsity Training, weil einige JVler auch Varsity spielen musste wegen der Spielerknappheit). Schulisch kann ich nur sagen, dass ich gute Noten einfach nur irgendwie ohne Lernaufwand bekam – Im Semesterzeugnis hatte ich 6 A’s, ein B und ein C (in Government, was ich gar nicht mochte mit diesen ganzen Fachspezifischen Ausdrücken und den ganzen politischen Systemen die wir lernen mussten). Ich verbrachte so viel Zeit in der Schule dort wie ich es nie zuvor gedacht hätte. (Zum Unterricht, zu Spielen, zum Training, zu Festen, zu sonstigen Veranstaltungen), aber da dort immer alle sind, war dies nur normal. Krieg mal in Deutschland nur zehn Schüler abends in die Schule…
Freunde hatte ich auch relativ schnell gefunden, mit denen ich am Wochenende etwas unternahm, wobei ich mich mit nahezu allen Leuten dort gut verstand, und ich kann echt behaupten, dass ich mich mit jedem  Schüler zumindest einmal unterhalten habe!

Über Thanksgiving fuhr ich mit meinen Gasteltern zu dem Bruder meiner Gastmom,  der in Irvine (Orange County), California, wohnt, und wir verbrachten dort eine Woche, in der sie mich rumführten und wir zu u. a. zu Sea World San Diego gingen. Über die Weihnachtsferien tourte mein örtlicher Betreuer mit insgesamt 4 deutschen und 2 japanischen Austauschschülern durch Amerika’s Westen: Las Vegas, Nevada; Grand Canyon, Arizona; Los Angeles, San Francisco und Sacramento in California. Es war ein richtig tolles und einzigartiges Erlebnis. Wir alle haben uns sehr gut verstanden, hatten jede Menge Spass zusammen und lernten auch noch einiges über Amerika. Silvester waren wir in Sacramento, wo wir schon um 22 Uhr ein Feuerwerk sahen, dann Mitternacht allerdings im Hotelzimmer erwarteten, wo wir nicht einmal Orangensaft zum anstossen hatten, und sind um halb eins dann im Aussenpool schwimmen gegangen bis wir wegen Ruhestörung wieder ins Zimmer geschickt wurden. Ein total anderes Silvester als das, was wir alle gewohnt waren. Im Januar läutete sich dann so langsam die Zeit des Abschiednehmens ein, denn am 26. 01.2006 würde ich ja wieder in den Flieger steigen nach Deutschland. Freunde organisierten sogar noch eine Abschiedsparty an dem Wochenende bevor ich flog!

Der letzte Tag in Amerika war besonders schlimm für mich. Ich ging zum letzten Mal in die Schule um meine Basketball-Uniform abzugeben und allen „Goodbye“ zu sagen. Danach verabschiedete ich mich von unserer Pastorenfamilie, bei der ich auch 2 Wochen lang gewohnt hatte als meine Gasteltern auf einer schon früher gebuchten Reise waren, und auch noch von der Familie meiner guten Freundin dort, wo ich sehr viel Zeit verbracht hatte.

Dann war auch dieses Abenteuer zu ende, schneller als mir lieb war. Es war rückblickend ein tolles  Erlebnis, diese 6 Monate in einem fremden Land,  ich habe echt Einiges gelernt, von dem ich sicherlich auch hier in Deutschland Gebrauch machen werde. Die Kirche in Amerika ist ganz anders, viel intensiver, und es gibt grössere Unterschiede in  den Religionen, nicht wie bei uns in Deutschland hauptsächlich Evangelische Leute und Katholiken, nein, es gab die Baptisten, die Methodisten, die Freikirchler, die Christianer, die Katholiken und die Mormonen... Mormonisch war etwa die Hälfte der Bevölkerung in meinem Ort, weil diese „umstrittene“ Religion in Salt Lake City, Utah entstand, und dies nah bei uns lag. Niemand hatte wirklich was gegen die Mormonen wenn man Nicht-Mormone war, nein, wenn man irgendjemanden fragten, waren das immer liebe, nette Leute, doch man verstand allgemein nicht warum man in diese Kirche ging. Ich hielt mich grösstenteils aus diesen Diskussionen heraus, das Beste was man machen kann. Auch die Schule ist anders im Vergleich zur Deutschen. Diesen „School Spirit“ gab es wirklich, sogar auf meiner kleinen Schule. Jede Menge Schüler liefen mit Anziehsachen herum, der den Namen der Schule trug oder ähnliches und identifizierten sich somit mit ihrer Schule. Allerdings muss noch hinzugefügt werden, dass das Lernen nicht sehr intensiv ist, das Niveau im Vergleich zu einem Gymnasium sehr niedrig, es gibt keine mündliche Beteiligungsnote, und der Lernmassstab ist einfach nicht so hoch angesetzt, was einen leider nicht wirklich weiterbringt nach einem Auslandsaufenthalt wieder im deutschen Schulalltag. Trotzdem steht die Schule dort über allem, ich meine, in einem Dorf in der Hochwüste (sehr tolle Landschaft übrigens, jede Menge Berge, etc.) gibt es natürlich sonst auch nicht sehr viel zu tun, aber ich kann nur für mich sprechen dass ich manchmal schon dachte, dass die Leute dort echt nichts anderes zu tun haben. Etwas negativer war dann, dass ich als 17Jährige Deutsche die Freiheit vermisst habe, die man in Deutschland hat, z. B. In Bars gehen, Diskos besuchen etc, denn in Deutschland ist man mit 16, 17 ein junger Erwachsener, wohingegen die Amerikaner einen dann als älteres Kind einstufen und auch so behandeln. Ich war doch sehr erstaunt als meine Gastfamilie mir verbot, PG13 Filme (Filme ab 13) zu sehen, weil die ja ganz schlimm wären. Das habe ich nicht ganz eingesehen, denn ich durfte nach amerikanischem Gesetz sogar Restricted Filme ( ab 17, d. h. eine Mischung aus Ab 16/ab 18) gucken, und was habe ich denn die vergangenen Jahre immer getan, Filme mit FSK0 geguckt?

Auch ist man als Führerschein- Nichtbesitzer sehr abhängig von Anderen MIT mehr oder weniger legaler Fahrerlaubnis UND Auto, denn Busse, die regelmässig fahren würden zu Einkaufsmöglichkeiten und ähnlichem, gab es ja auch nicht.

Ich bin trotzdem sehr froh, dass ich dieses Austauschsemester gemacht habe, einen Einblick in das Leben auf einem ganz anderen Kontinent bekommen zu haben, wo ich eine Menge netter Leute getroffen habe (sowieso sind Amerikaner auch nur in Supermärkten sehr viel freundlicher zu ihren Mitmenschen als hier), einiges lernte, und  kann echt allen, die schon einmal ernsthaft über eine solche Möglichkeit, Neues zu sehen, nachgedacht haben, und sich auch vorstellen können, für einige Zeit ihr Leben und ihre Familie hier in Deutschland (oder sonst wo) zurückzulassen und sich in einer neuen Umgebung und Familie zurechtfinden würden, nur dazu raten, solch eine Möglichkeit wahrzunehmen.

 


 

Weitere Informationen zum High School-Programm:
Ian Cryer High School-Programm
Ian Cryer - LSI High School Programm

Ian Cryer

ic@lsi.edu

Tel +41 44 251 58 25

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