
Zürich
Sprachen lernen und erleben


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Theresa verbrachte das Schuljahr 2007/08 in Arkansas, USA
Am 11. August 2007 ging es los: das Abenteuer Austausch-Schüler. Ich wollte Familie und Freunde für ein Jahr verlassen. Erst am Abflugstag realisierte ich, dass ich gehen würde. Alles war vorbereitet, Koffer waren gepackt und ich hatte mich schon von meinen Freunden verabschiedet. In den nächsten Monaten sollte ich in Hot Springs, Arkansas in einer 6 köpfigen Familie leben, bestehend aus Mutter, Vater und vier Kids 12, 11, 6 und 1,5 Jahre. Wow! Ich als Einzelkind sollte nun vier Geschwister haben.
Als ich am Flughafen in Little Rock landete, erwarteten mich meine ganze Gastfamilie und mein Local Coordinator. Alle begrüssten mich herzlich mit einer Umarmung. Und schon fing das Chaos an: Ich verstand kaum ein Wort. Das Schulenglisch half mir auch nicht wirklich weiter. Aber was soll’s, und am Ende gewöhnt man sich ziemlich schnell daran. Nach 2 Wochen hat man das dann auch schon drauf und nach spätestens 4 Wochen gibt es eigentlich keine Probleme mehr. Ich hatte sehr viel Spass mit der Familie. Sie zeigten mir verschiedene Dinge und wir machten einiges zusammen. Die Kinder waren auch super nett. Ich teilte mir ein Zimmer mit der 12jährigen Tochter und schon nach Kurzem waren wir wie richtige Schwestern. Wir redeten über alles und ich half ihr, sich gegen die Jungs durchzusetzen. Schon nach wenigen Tagen fand ich Anschluss in der Schule und hatte einige Freunde. Wir hatten auch noch vier andere Austausch-Schüler an der Schule, allerdings keinen aus Deutschland. Das fand ich aber gut, somit konnte ich mich besser aufs englisch konzentrieren. Auch mit den Schulfreunden hatte ich viel Spass. Wir gingen zusammen ins Kino oder zu jemandem nach Hause, um nur rumzuhängen oder um Playstation zu spielen.
Die Zeit verging total schnell und schon bald war es Dezember und Weihnachten stand vor der Tür. Doch da fingen auch schon die Probleme an. Meine Gasteltern waren immer gestresst und fingen, an mir Vorwürfe zu machen. Ich wäre zu viel mit Freunden weg, würde nichts mit der Familie machen, usw. Wir redeten darüber und für eine Weile war alles wieder gut. Doch nach ein paar Wochen fing alles wieder von vorne an und die Situation wurde schlimmer. Obwohl ich nur noch einen Tag in der Woche was mit Freunden machte, hiess es ich mache zu wenig mit der Familie. Die Vorwürfe mehrten sich und mir wurde das irgendwann zu dumm. Also habe ich mich bei National Office beschwert. Aber die meinten nur meine Situation wäre nicht so schlimm und es wird alles wieder besser. Es wurde allerdings nicht besser. Die Probleme wurden grösser und grösser weil meine Gastfamilie sich immer erst an National Office gewendet hat, anstatt sich zuerst mit mir zu unterhalten. Ich erfuhr alles immer erst als es zu spät war, um sich zu ändern oder der Familie etwas entgegen zu kommen. Irgendwann war es März und mein Geburtstag stand vor der Tür. Endlich 18! Da freut sich doch jeder drauf, aber mein 18ter Geburtstag war wirklich nicht so, wie ich es mir gewünscht hatte. Die angeschlagene Situation und das Unverständnis für meine Freude, erwachsen zu sein, liessen den Tag für mich nicht zu einem Highlight werden. In Amerika ist der 18te Geburtstag ja nicht mit dem 18ten Geburtstag in Deutschland zu vergleichen. Freunde durfte ich auch nicht einladen, weil meine Familie diese nicht mochte und eh der Meinung war ich hätte keine. Nach dem Geburtstagsessen gab es auch erst noch mal ein Gespräch mit meiner Gastfamilie, ich müsse mich nun entscheiden ob ich überhaupt in Amerika bleiben will. Falls ja, muss ich die Familie wechseln, weil ich der Grund für die schlechte Stimmung im Haus wäre und meine Gastmutter wolle ihre Kinder dem nicht aussetzen. Ausserdem sagte mir meine Gastmutter ins Gesicht, dass sie mich nicht mehr leiden kann. Somit musste ich innerhalb eines Tages entscheiden, was ich machen wollte. Natürlich wollte ich bleiben so kurz vor Schluss. Innerhalb einer Woche wurde eine neue Familie gefunden und über Nacht bin ich umgezogen in ein neues zu Hause.
Meine neue Gastmutter (oder Oma wie ich sie nannte) war eine ältere Dame. Sie wohnte zusammen mit ihrer Schwester und einem Bekannten in einem Trailer, der zum festen Wohnhaus umfunktioniert war. Ausserdem wohnten noch 4 Hunde mit in dem Haus. Ich hatte sehr viel Spass in der neuen Familie und wir haben so viel zusammen gelacht. Wir verstanden uns prächtig und endlich durfte ich auch wieder meine Freunde sehen.
Zwischendurch zweifelte ich schon mal und wollte unbedingt nach Hause, weil ich es fast nicht ausgehalten habe. Doch am Ende machte es so viel Spass, dass ich gar nicht mehr aus Amerika weg wollte. Ich denke, die ganzen Probleme, die ich hatte, haben mich selbstbewusster und selbstständiger werden lassen. Ich würde wirklich jedem empfehlen, so einen Austausch zu machen, denn dieser bringt nicht nur sehr gute Kenntnisse in der englischen Sprache, sondern macht einen auch stärker und man kennt mehr von der Welt. Solche Erfahrungen helfen einem wirklich sehr weiter im Leben – auch wenn schlechte dabei sind. Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich das Jahr in Amerika, so weit weg von zu Hause, gemeistert habe. In guten und in schlechten Zeiten. Wenn ihr die Möglichkeit habt, an einem Austausch teilzunehmen, zögert nicht lange - macht es!
Theresa
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